Warum musste Streetscooter sterben?

Vor etwa drei Wochen hat die Deutsche Post bekanntgegeben, die Produktion des „Streetscooter“, dieses minimalistisch-innovativen Lieferfahrzeugs, einzustellen.

Schade. Warum musste Streetscooter sterben?

Um es vorweg zu nehmen: Ich weiß es nicht. Ich habe keinerlei Einblick hinter die Kulissen, ich kenne den Deutsche-Post-CEO Frank Appel nicht persönlich. Das Thema Streetscooter habe ich im Internet und in Gesprächen mit anderen Elektromobilitäts-Experten allerdings immer interessiert verfolgt, weil ich die Idee und auch die Umsetzung für sehr innovativ halte.

Zugegebenermaßen hat es bei mir auch länger gedauert, bis ich den Sinn und Zweck verstanden hatte. Der Streetscooter ist ja nicht gerade als „Inbegriff von Schönheit“ bekannt. Herr Pininfarina würde sich im Grab umdrehen. Aber er ist eben zweckmäßig, und er ist kostengünstig. Letzteres ist im Land der unbegrenzten Autobahngeschwindigkeit eine seltene Tugend. Und die Art und Weise wie das Team das Projekt gegen alle „Das geht nicht“-Experten vorangetrieben hat, verdient meinen allergrößten Respekt.

Nun ist Ende Gelände, die Post hat dem Streetscooter im wahrsten Sinne des Wortes den Stecker gezogen.

Der Gründer und Erfinder des Streetscooter, Prof. Günther Schuh, hat im Handelsblatt einen sehr interessanten Artikel über das Aus geschrieben. Er schreibt über die Zusammenarbeit mit der Post (Zitat Handelsblatt, https://t1p.de/6f39):

„Um den Auftrag wirklich zu bekommen, mussten wir der DHL eine Beteiligung an Streetscooter anbieten. Ein typischer Konzernreflex im Möglichkeits-Deutschland. Nach der Due Diligence wollte die Post sogar die Mehrheit an Streetscooter. Ich fragte: „Warum wollen Sie Autohersteller werden?“ Antwort: „Wir wollen die Kontrolle und wir wollen schnell sein.“

Es folgte die Inkarnation der Langsamkeit. Der externe Vertrieb wurde drei Jahre gestoppt, die Internationalisierung auch, das geplante Re-Engineering-Programm ebenso, normale Beschaffungen wurden verschleppt, das Management wurde rausgeschmissen, Amateure wurden eingesetzt, die Bestellungen der eigenen Post-Flotte minimiert, jegliche Verbesserung wurde verboten – und auf eine Gelegenheit gewartet, das Geschäft unter einem Vorwand einzustellen.“

Ob es wirklich genau so war, weiß ich nicht. Aber ich kann es mir gut vorstellen. Sätze wie „wir wollen schnell sein“ fallen auch bei vielen unserer Konzernkunden – und dann dauert es sechs Wochen und benötigt fünf Unterschriften, bis eine Bestellung über 8.400 Euro bearbeitet wird. Auch dass das Personalkarussell sich dreht, Kontinuität verloren geht und Leute mit „Das geht eh nicht“-Mentalität in entscheidenden F&E-Positionen sind – alles schon erlebt.

Letzte Woche hat die Deutsche Post die Erhöhung der Dividende angekündigt. Schön für die Aktionäre. Für Ingenieurs-Deutschland wäre es vermutlich wünschenswert gewesen, wenn das Projekt in den richtigen Händen auch zum Exportschlager geworden wäre (um dann Dividenden zu ermöglichen).
In der gleichen Zeitung hat Minister Altmaier ja im November verkündet, dass Deutschland beim Wasserstoff die Nummer 1 der Welt werden soll. Ist das realistisch? Ein Land, das – Zitat Prof. Schuh – „nach Sparkassen-Regeln geführt wird“? In dem ein Gesetz namens Erneuerbare-Energien-Gesetz sämtliche Innovationen blockiert, wie überschüssiger Windstrom sinnvoll genutzt werden kann? In dem nach einer Förderzusage über läppische 300k Euro für eine Großstadt noch monatelang weitere Anträge und Formulare ausgefüllt werden müssen?

Dieser Frage gehen wir am 25.03.2020 um 17 Uhr auf den Grund. In unserem kostenfrei Webinar „Kann Deutschland beim Wasserstoff die Nummer 1 der Welt werden?“ werde ich erst einige Projekte sowohl in Deutschland als auch im Rest der Welt – vor allem in Asien – vorstellen. Danach haben Sie viel Zeit, um Ihre Fragen zu stellen. Hier ist der Anmeldelink: https://event.webinarjam.com/register/1/m079xf7. Wir werden vermutlich um die tausend Teilnehmer haben, bitte stellen Sie sicher, dass Sie rechtzeitig da sind. Und falls Sie genau dann keine Zeit haben, melden Sie sich trotzdem an, dann senden wir Ihnen die Aufzeichnung.

Also: Anmelden unter diesem Link: https://event.webinarjam.com/register/1/m079xf7.

Gruß und alles Gute an die Streetscooter-Leute in Ihrem Umfeld, falls Sie welche kennen
David Wenger

PS: Das Webinar wird von unserer neuen Schwesterfirma Mission Hydrogen GmbH (www.mission-hydrogen.de) organisiert. Ich werde darin noch 1-2 coole Neuigkeiten verkünden (direkt zu Beginn). Seien Sie dabei! https://event.webinarjam.com/register/1/m079xf7

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Oder senden Sie eine E-Mail an: solution(at)wenger-engineering.com

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