Sind Tesla-Fahrer die dümmsten Verkehrsteilnehmer dieses Planeten?

Heute habe ich eine ernste Frage an Sie:

„Sind Tesla-Fahrer die dümmsten Verkehrsteilnehmer dieses Planeten?“

Genau diese These stellt der Autor Felix Reek in einem Artikel in der „Süddeutschen“ auf, erschienen am 25.01.2018.

Mal vorsichtig gesagt: Das ist schon eine sehr steile These. Ich glaube auch nicht, dass sie stimmt. Beweis? Ich habe mal kurz in den Spiegel geschaut. ;-)))

Nein, Spaß beiseite: Der gute Mann darf mich ruhig als dumm darstellen. Ich habe damit kein Problem. Er kennt mich ja nicht, und ich ziehe mein Selbstbewusstsein auch nicht aus pauschalen Aussagen von Revolverblättern, sondern aus erfolgreichen Projekten für das Who-is-Who der Weltwirtschaft.

Vielleicht lesen Sie den Artikel mal selbst: LINK.

Es geht dabei um den so genannten Autopiloten. Es gibt zahlreiche Menschen, die versuchen, ihn zu überlisten. Unter anderem, indem sie eine Orange in das Lenkrad klemmen und so dem Sensor suggerieren, die Hände am Lenkrad zu haben. Auf Youtube finden sich jede Menge solcher Experimente.

Liegt das an der Dummheit der Leute, wie der SZ-Autor mutmaßt?

Nein, sagt der Ingenieur. Das liegt daran, dass der Mensch allgemein so ist. Schon Nietzsche wusste: „Im echten Manne ist ein Kind versteckt; das will spielen.“ Sind wir uns einig? Als Kinder haben wir Türme gebaut und ausprobiert, wie hoch sie werden können, ohne umzufallen. Wir sind mit dem Fahrrad schnell gefahren, um unsere Grenzen auszuloten. Und heute machen wir andere Dinge, um unsere angeborene Neugier zu befriedigen. Das Internet – und ganz besonders Youtube – sind voll davon.

Jeder Ingenieur weiß das. Deshalb entwickelt er Produkte so, dass auch der „DAU“, also der „dümmste anzunehmende User“ keinen Schaden davon trägt. Dass er seine Finger nirgends einklemmt, er keinen Hörschaden bekommt, das Gerät bei einer Fehlbedienung nicht explodiert oder dem Nutzer einen sonstigen Schaden zufügt. Und wenn das nicht möglich ist, schreibt er in die Bedienungsanleitung der Mikrowelle rein, dass man keine Katze drin trocknen darf. Macht Sinn? Ja.

Entsprechend agieren auch die etablierten Automobilhersteller. Keiner von denen würde auf die Idee kommen, einen solchen „Autopiloten“ auf die Straße zu bringen. Den Endkunden und die unbeteiligten anderen Verkehrsteilnehmer als Beta-Tester zu missbrauchen. Tesla ist da anders. Die haben nicht mehr Fähigkeiten als VW, Daimler oder Toyota. Die gehen einfach ein ganz anderes Risiko ein bei der Produkthaftung. So einfach ist der Unterschied zwischen „innovativ“ und „Die haben es mal wieder verschlafen.“

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Das autonome Fahren wird kommen. Ich wünsche mir aber, dass es nicht in Wildwest-Manier geschieht, getrieben vom Druck der scheinbaren Experten. Denn in einem hat Herr Reek recht: Ein Auto ist kein iPad. Dies sollten wir im Kopf behalten.

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen niemand mit einer Orange im Lenkrad auf der Landstraße entgegenkommt.

Schöne Woche noch

David Wenger

PS: Hier der LINK zum Artikel in der SZ. Und ja, ich gebe zu: Ich habe „Tesla“ und „Orange“ auch bei Youtube eingegeben. Interessiert mich mehr als das Dschungelcamp. 😉

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