Das ist hier die Greta-Frage!

Während ich diese Zeilen schreibe, segelt Schweden-Greta über den großen Ozean, um möglichst klimaneutral an eine Konferenz zu reisen. Dank einigen oberschlauen Journalisten wissen wir: mehrere Leute fliegen rüber, um das Boot wieder zurückzuholen, und die Skipper fliegen auch zurück, weil sie keinen Bock haben, nochmal ein paar Wochen in der Dose zu leben.

Das ist aber nicht der Punkt hier. Es ist eigentlich auch unerheblich meiner Meinung nach. Greta bewegt Menschen. Sie mobilisiert. Sie macht auf Dinge aufmerksam. Jeder von uns darf dazu seine „Gegenmeinung“ haben. Aber wenn wir ehrlich sind zu uns selbst wissen wir auch: mit 16 haben wir nicht so viel gebacken gekriegt wie die. Also mich zum Beispiel hat damals niemand gefragt, ob ich den amerikanischen Präsidenten treffen will. Genauer gesagt wurde ich bis heute nicht gefragt. Und Sie?

Aber auch das ist eigentlich egal. Denn die Greta-Frage lautet doch:

„Nun sag, wie hast du’s mit dem Klimaschutz? Du bist ein herzlich guter Mensch, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon!“

Ich für meinen Teil glänze längst nicht mit einer guten Bilanz. Im Gegenteil. Ich bin gerade nach China geflogen, um mich dort mit Kunden und Geschäftspartnern zu treffen. Natürlich geht es um die Frage, wie Zero-Emission-Fahrzeuge in Zukunft aussehen und funktionieren können. Aber um Zero-Emission-Fahrzeuge zu entwickeln, muss man paradoxerweise in einer Boeing 737-Nicht-Max rund um den Globus fliegen und mehrere Tonnen Kerosin pro Stunde verbrennen. Eigentlich ziemlich uncool, auch wenn manche Menschen sagen „Die wäre doch eh geflogen“. Nachhaltiger wäre da schon der Maulesel gewesen. Wie bei Marco Polo. Dummerweise gibt mein Projekt einen anderen Zeitplan vor als bei Herrn Polo damals.

Der wie ich finde brillante Schweizer Journalist Frank A. Meyer hat mich in seiner Video-Kolumne auf einen anderen, viel wichtigeren „Fehler“ in Gretas Segeltörn aufmerksam gemacht: die Reise ist „Sponsored by Monaco“. Der eine Co-Skipper, der Greta so selbstlos da rüberbringt, ist der Sohn von Prinzessin Soundso von Monaco. Wobei „Sohn“ natürlich hier gleichzeitig eine biologische Beziehung beschreibt als auch eine Berufsbezeichnung.

Greta umgibt sich also mit Menschen, die Geld ausgeben, das sie nie verdient haben und die in einem Land leben, das den Reichen eine Möglichkeit gibt, Steuern nicht zu bezahlen. Steuern, die zum Beispiel erforderlich wären, um Umweltmaßnahmen umzusetzen. Monaco ist ein Land ohne Vorbildcharakter in jeglicher Hinsicht.

Sie sehen: alles nicht so einfach, weder für Greta noch für Sie und mich. Aber es lohnt sich doch, über die Greta-Frage nachzudenken: „Nun sag, wie hast du’s mit dem Klimaschutz?“ Denn es gilt wie immer: Von nichts kommt nichts.

Gruß

David

PS: Über meine Erkenntnisse in China werde ich in einem Webinar berichten. Sie können sich schon mal das Datum merken: 16.10.2019, 17 Uhr. Das scheinbare Entwicklungsland hat im Bereich der Elektro- und Wasserstoffautos in den letzten paar Jahren mehr umgesetzt als wir. Viel mehr. Wir können vielleicht besser PowerPoint-Folien malen und erzählen, was man alles tun könnte und sollte. Aber die können besser die Ärmel hochkrempeln und einfach mal machen. Greta hin oder her: Schauen Sie es sich an und bilden Sie sich eine Meinung. Auch wenn Sie Elektroautos für Quatsch halten und auf irgendwelche akademischen Studien verweisen. Who cares? Die Chinesen setzen es um, und wenn wir in Zukunft auch noch Autos verkaufen wollen, müssen wir uns etwas einfallen lassen.

Hier der Link zur Webinaranmeldung: https://events.genndi.com/channel/hydrogeninchina

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