Wir müssen denken wie die Japaner!

In meinem großen Netzwerk habe ich einen der renommiertesten Gartendesigner Deutschlands. Er hat zahlreiche Bücher über die Kunst des Gartenbaus geschrieben und so ziemlich alle Preise gewonnen, die man als Gärtner gewinnen kann.

Wie Sie wissen, haben meine Frau und ich gebaut. Allerdings nicht in einem Neubaugebiet, sondern wir haben ein Haus aus den 1950er Jahren gekauft, es abgerissen und neu gebaut. Der Garten ist zumindest im hinteren Teil noch im Originalzustand.

„Originalzustand“ heißt in dem Kontext: Da das Haus ein paar Jahre leer stand und davor von älteren Menschen bewohnt wurde, ist der Garten vorsichtig formuliert nicht mehr laufend mit der Nagelschere feingetunt worden. Böse Zungen behaupten, man könne bei uns Orang Utans oder Waldelefanten auswildern…

Nun saß ich da und habe mich gefragt, wie ich dieses Vogel- und Naturparadies erhalte, gleichzeitig aber kosteneffizient und sinnvoll auf ein nutz- und pflegbares Maß bringe.

Kurz darauf meldete sich Peter bei mir, weil er zufälligerweise in der Gegend war. Ich habe ihn gebeten, bei uns kurz vorbeizukommen und mir zu helfen, einen Weg zu finden. Ich war aufgrund seiner Bücher und seiner Historie davon ausgegangen, dass er sich den Wildwuchs anschaut und sagt: „Klarer Fall: Hol den großen Bagger, reiß alles raus – und dann designe ich dir einen fantastischen Garten, von dem du bisher noch nicht mal geträumt hast.“

Das Gegenteil ist passiert. Er hat sich alles sorgfältig angeschaut, mir erklärt, wie welche Pflanze heißt und war sichtlich begeistert von einigen alten, merkwürdig wild gewachsenen Bäumen und Büschen. Seine Kommentare waren eher in Richtung: „Man könnte hier ein bisschen zurückschneiden, dann nächstes Jahr dies und das machen, und wenn es übernächstes Jahr dann soundso ist, könnte man da noch ein bisschen…“

Ich unterbrach ihn: „Peter, das meinst du nicht ernst, oder? Ich will hier fertig werden mit dem Projekt! Wir können doch nicht bei dem sechzig Jahre alten Gemüse überall nur ein bisschen rumschnippeln und Jahre damit verbringen, fertig zu werden. Lass es uns doch einmal richtig machen!“

Er schaute mich kritisch an: „Du denkst viel zu deutsch. Du bist viel zu ungeduldig. Bei uns muss immer alles huschhusch gehen. Alle wollen ein Projekt machen, und dann denken sie, sie sind fertig. Du weißt, dass ich extra einen japanischen Gärtner angestellt habe. Japaner denken anders: Sie wissen, dass sie viele Jahre Schritt für Schritt vorwärts gehen müssen. Der Weg ist das Ziel. Wir müssen denken wie die Japaner!“

Warum erzähle ich Ihnen diese Episode? Ich habe oft über diesen Satz nachgedacht. „Wir müssen denken wie die Japaner.“

Wäre das nicht in der Automobilindustrie auch angebracht? Letztes Jahr hat auf einer Konferenz in Birmingham, auf der ich als Referent war, ein Vertreter von Toyota eine wie im Lehrbuch exponentiell ansteigende Grafik gezeigt. Die Absatzzahlen des Prius. Aktuell sind die Absatzzahlen sehr, sehr, gut. Aber die x-Achse hat die Wahrheit gezeigt: über 25 Jahre hat es gebraucht, um von der Idee – für die sie ausgelacht wurden von der ganzen Welt – zu einem Eckpfeiler des Konzernumsatzes zu kommen. Die Botschaft des Toyota-Manns war: „Wir beschreiten mit dem Mirai (dem Brennstoffzellenfahrzeug) gerade die gleiche Kurve. Und wir sind jetzt hier (und zeigte dabei mit dem Laserpointer an eine Stelle ganz links auf der x-Achse).“

Ich weiß: Ich bin sehr assimiliert in der deutschen Kultur. Es fällt mir schwer zu denken wie ein Japaner. Vermutlich, weil ich keiner bin.

Aber ich weiß auch, dass die Japaner denken wie Japaner. Und dass sie am Weltmarkt sehr erfolgreich sind mit ihren Autos. Wenn wir auch mit den neuen Antriebstechnologien ganz vorne mitspielen und hier Arbeitsplätze schaffen wollen, sollten wir darüber nachdenken, so zu denken wie die Japaner. Ich glaube, es würde uns helfen.

Und wenn Sie nachher in einer Besprechung sitzen und jemand erklärt Ihnen, warum alles zackzack gehen muss, ohne gründlich darüber nachzudenken, antworten Sie ihm: „Lieber Kollege, du denkst zu deutsch. Denk mal lieber wie ein Japaner.“ Falls er Sie wissend anschaut, freue ich mich. Und falls nicht, teilen Sie doch diesen Artikel mit ihm und sagen Sie ihm, dass er sich auf www.david-wenger.de/blog auch eintragen kann.

In diesem Sinne: Ogenki de und Arigato für Ihre wertvolle Zeit

David Wenger

PS: Falls Sie wissen wollen, wie mein Garten NICHT aussieht: https://gartenlandschaft.com. Schon schön, oder? Ich muss aber wohl noch das eine oder andere Projekt mit Ihnen machen, damit mein Sparschwein den richtigen Füllstand hat. Zögern Sie also nicht, mich anzusprechen. 🙂

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