Wie sieht meine persönliche Energiewende aus?

Guten Morgen zusammen,

viele Menschen fragen mich: „Und, wie sieht eigentlich deine persönliche Energiewende aus?“ Man erwartet von Menschen wie mir offenbar, dass ich überall vorne mit dabei bin, alle Produkte kenne und habe und das, was in der Wissenschaft propagiert wird, schon längst lebe.

Meine Frau und ich haben gerade ein Haus gebaut. Dabei war meine Frau für alles zuständig, was mit „schön“ zu tun hat und ich für alles rund um die Technik. Meine Frau hat ihre Aufgabe hervorragend gelöst, ich meine eher mittelmäßig. Zu viele Projekte in der Firma, zu viel Elternzeit von wichtigen Mitarbeitern und ähnliche Baustellen, die Arbeitsministerinnen eingeführt haben, die selbst nie in einer Firma gearbeitet haben und erst recht keine aufgebaut und geführt haben. Aber gut, das ist jetzt nicht das Thema.

Wie bin ich an meine Aufgabe – die Wärmeisolierung und Energieversorgung des Hauses rangegangen? Ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass das total easy ist. Meine Firma hat ja Wärmepumpen entwickelt, Wärmespeicher aller Art, Batterien optimiert, Betriebsstrategien für integrierte Energieanlagen und viele andere spannende und erfolgreiche Dinge rund um das Thema Energie.

Als ich dann aber über mein Haus nachgedacht habe, musste ich schnell merken, dass das eine ganz andere Aufgabenstellung ist und ich keine Ahnung habe. Ich kenne weder die Produktpalette der verschiedenen Anbieter noch habe ich eine Übersicht über die Preise – und ich habe keinerlei Ahnung, wie unser Verbrauchsprofil für Strom, Trinkwasser und Heizleistung ist.

Welchen Energiestandard habe ich gebaut? Nullenergie? Plusenergie? Autark?

Natürlich nicht. Ich bin ja nicht blöd. Ich kann rechnen. Ich bezahle doch nicht 30% mehr für eine Verbesserung von 10%. Somit habe ich einen geeigneten Grundriss gewählt, die Fenster so ausgerichtet, dass ich solare Gewinne habe und die Isolierung und Fenster nach dem Stand der Technik gewählt. Nicht mehr und nicht weniger. Das Optimum zwischen Nutzen und Kosten. Capex im Rahmen, Opex leicht höher als beim technischen Optimum.

Die Energieversorgung war dann schon eine längere Story.

Öl war sofort raus. Die Fernwärmeleitung hört 100 Meter neben uns auf. Bleibt also Holz, Gas und Wärmepumpe.

Holz? Eine gute Sache. Nachwachsend, erneuerbar, CO2 neutral – toll. Produziert aber Asche, benötigt ein Holzlager, überall liegen Späne rum. Meiner Frau nicht vermittelbar, dass sie etwas hat, worum wir uns kümmern müssen. Also keine Option. Sie wissen ja: Happy wife, happy life.

Gas? Eine gute Sache. Günstig. Zuverlässig. Aber nicht erneuerbar. Irgendwie also nicht mein Stil.

Bleibt noch die Wärmepumpe. Ich schlucke, als mir der Installateur den Preis nennt. Erst recht, als sich vor dem Gießen des Fundaments zeigt, dass wir extrem viel Wasser im Boden haben und den Keller wasserdicht bauen müssen. Somit muss die Wärmepumpe raus und mit einer Art Fernwärmeleitung mit dem Haus verbunden werden. Mehrkosten von einigen tausend Euro. Ich bleibe dabei und entscheide mich für die Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Ich denke: In Kombination mit einer PV-Anlage und einem Elektroauto eine tolle Sache. Warum ich jedoch immer noch daran verzweifle, schreibe ich in einem der nächsten Artikel. Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass diese Technologie noch so in den Kinderschuhen steckt.

Gruß

David Wenger

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