Verbot von Benzin und Diesel: Die spinnen, die Grünen. Oder nicht?

Die Grünen wollen Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2030 verbieten. Eine radikale Idee. Auf dem Parteitag vorgestellt von Toni Hofreiter.

Keine Frage: Ich halte viel von der Vision der Elektromobilität. Und ich bezweifle auch nicht, dass Deutschland den Grünen viel verdankt, dass sie viele richtige Ziele im Laufe der letzten dreißig Jahre in die Realität gebracht haben.

Benzin und Diesel bis 2030 verbieten zu wollen, ist jedoch absurd. Völlig.

Die Wutrede von Ministerpräsident Kretschmann trifft es auch sehr gut: „Stell dir vor, es fahren plötzlich fünf Millionen Elektroautos rum. Wo tanken die? […] Ich kann das nicht ansatzweise erklären, wie das gehen soll zu dem Termin.“

Mal eine kurze Rechnung:

Man nehme fünf Millionen Autos, die im Schnitt pro Tag 50km fahren (das entspricht etwa 20.000 km pro Jahr) und lade diese wahlweise tagsüber am Arbeitsplatz oder nachts. An der Schuko-Steckdose. Ohne Schnellladesäulen etc. 50km entspricht etwa 10kWh Verbrauch, je nach Auto und Fahrprofil.

Hier kommen die Zahlen:

10kWh an einer normalen Haushalts-Steckdose zu laden, dauert knapp 3,5 Stunden. Ist also kein Problem.

Das Auto fährt z.B. eine Stunde pro Tag, 23 Stunden steht es – davon 3,5 an einer Steckdose. Wenn dies – ich weiß, das ist jetzt vereinfacht – bekannt und planbar ist, könnte man das Auto auch mit durchschnittlich 450 Watt laden (das entspricht etwa zwei Fernsehern oder einem halben Staubsauger). Die in Deutschland erforderliche Gesamtleistung beträgt dann etwa 2 Gigawatt, die als Grundlast dazukämen.

Der Verbrauch in ganz Deutschland schwankt zwischen rund 50 und 70GW, je nach Tages- und Nachtzeit.

Ich wage deshalb mal eine Aussage: die 2GW merkt das Netz gar nicht. Und die Stromerzeuger freuen sich, dass sie etwas verkaufen können.

Nun ist mir auch klar: Das sind Durchschnittswerte, wie sie niemals vorkommen werden. Erstens hat nicht jeder immer und überall eine Steckdose zur Verfügung. Zweitens gibt es Tage, an denen jemand gar nicht fährt und andere Tage, an denen man eine Langstrecke fährt.

Und genau hier kommt das Problem mit dem Laden:

Niemand will auf dem Weg in den Urlaub zwei Stunden extra an Ladesäulen verbringen. Eine Tankstelle bräuchte bei einer Verdreifachung der Verarbeitungszeit von 6 Minuten auf 20 Minuten drei Mal mehr Ladesäulen als Zapfpunkte. Bei aktuell zehn Zapfsäulen (wie in dem Beispiel von Winfried Kretschmann) wären das dreißig Supercharger. Das wäre dann eine Anschlussleistung von 10 Megawatt pro Tankstelle bei einer Ladeleistung von 350 kW. Die entsprechende Ladetechnik und die Batterien gibt es heute nur in der Schublade.

Ich habe keine Ahnung, wie groß die Anschlussleistung einer heutigen Tankstelle ist. 10 Kilowatt? 20? 30? Mehr sicher nicht. Also fehlt „nur“ Faktor 300…

Aus diesem – zugegebenermaßen sehr einfach konstruierten Beispiel – ist schon deutlich: der deutsche Ingenieur an sich kann sicher viel entwickeln und bauen. Aber nicht alles. Und schon gar nicht bis übermorgen.

Vielleicht wäre es gut, man würde den auf dem Parteitag zitierten Schutzzaun eher um gewisse Politiker ziehen, damit sie nicht so viel Unsinn verzapfen…

Herr Kretschmann, bitte bringen Sie Ihrer Partei den Dreisatz bei. Das würde sicher helfen.

Verfolgen Sie doch auch die Diskussion auf LinkedIn.

Oder senden Sie eine E-Mail an: solution(at)wenger-engineering.com